Working Out Loud Circle

In dieser Artikelserie stelle ich Ihnen fünf Menschen vor, die mit Working Out Loud wichtige Herzensziele erreicht haben. Den Auftakt machte eine Kollegin, die ich Bettina genannt habe. Sie wollte anfangs „nur“ ihre Fähigkeit zur visuellen Darstellung komplexer Prozesse verbessern. Ihr erster Working Out Loud Circle endete aber nicht nur mit dieser Kompetenz, sondern mit einer ganz neuen Aufgabe als Product Owner im agilen Umfeld.

Heute schreibe ich über eine Kollegin, die ich Ihnen als Silke vorstellen möchte. Sie ist in der IT als Gruppenleiterin tätig. Ihr Beispiel illustriert, wie das WOL-Prinzip „Relationships“ Hand in Hand mit dem agilen Prinzip „crossfunktionale Zusammenarbeit“ wirkt. Auf der Beziehungsebene illustriert die Geschichte, welche tiefe Verbundenheit, Freude und Glück für alle entsteht, wenn Netzwerke geknüpft, gepflegt und genutzt werden – buchstäblich über die Grenzen hinweg.

Die erste Berührung mit Working Out Loud hatte Silke bei BMW, als John Stepper im Juni 2016 sein Konzept vor 200 Kollegen vorstellte. Seitdem unterstützte sie unser WOL Kernteam. Doch sie konnte sich nie zu einem eigenen Working Out Loud Circle durchringen. Ihr Argument: „Ich habe noch kein Ziel, das  ich wirklich von ganzen Herzen erreichen möchte“.  Dabei gehörte sie 2017 zum Organisationsteam der Veranstaltung „Innovatives Arbeiten und Working Out Loud“. Sie erlebte hautnah mit, wie 500 Plätze in 10 Minuten ausgebucht waren und 2700 Mitarbeiter auf der Warteliste standen. Die Veranstaltungen waren ein großer Erfolg. „Die Teilnehmer hatten ein Leuchten in den Augen, und sie waren emotional tief berührt“, erinnert sie sich.

Start mit einem Working Out Loud Circle

Nun begab sie sich auf die Suche nach einem Ziel. Wir sprachen viel darüber, dass Working Out Loud ein kraftvoller Weg sein kann, um Einstellungen und Verhalten zu ändern. „Das muss ich unbedingt selbst ausprobieren“, sagte sie. Damals ahnte sie noch nicht, wie sehr das sie und ihr Leben verändern würde.

Ende November 2017 kam sie dann zu mir: „Ich muss jetzt unbedingt einen Working Out Loud Circle gründen. Wann gibt es wieder einen Kick-off?“ Ich riet ihr, nicht auf einen Startschuss zu warten, sondern in unserem Enterprise Social Network eine Anfrage zu starten. Und noch am gleichen Tag  gründete sie  einen WOL-Circle mit  vier Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen und in unterschiedlichen Funktionen. Dabei geht es darum, innerhalb von 12 Wochen ein intrinsisches Ziel zu verfolgen und damit neue Herangehens- und Denkweisen zu üben. Silkes Ziel war, am 31. März 2018 den ersten Halbmarathon ihres Lebens zu laufen, den „Two Ocean Marathon“ in Kapstadt. Durch ihre enge Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in Südafrika hatte sie bereits Bezug zu diesem schönen Land.

In den ersten vier Wochen ihres Working Out Loud Circles setzte sie dann wirklich alles daran, den Marathon vorzubereiten. Sie entwickelte ihren Trainingsplan und fand ihre Laufpartner unter anderem in der BMW-Laufsportgruppe. Mithilfe südafrikanischer Kollegen vernetzte sie sich sogar mit  Marathonteilnehmern vor Ort. Es lief also – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dann spürte sie, dass noch viel mehr möglich ist. Working Out Loud verändert eben das Mindset. Und wenn sich die eigene Haltung ändert, wächst auch das Ziel, welches man erreichen kann.

Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern im Working Out Loud Circle fragte sich Silke deshalb, wie sie aus ihrem Trainingsziel etwas Besonderes machen könnte. Sie beschloss, ihr Ziel auszuweiten und die Teilnahme am Lauf mit einer Spendenaktion zugunsten südafrikanischer Kinder zu verbinden. Gemeinsam mit unseren südafrikanischen Kollegen wählte sie eine Hilfsorganisation aus, das Siyaphambili Orphan Village in Cape Town. Dort werden Kinder HIV-Infizierter oder AIDS-erkrankter Eltern und AIDS-Waisen betreut. Gerade die Situation der Kinder und Mädchen ist besonders schwierig, wie Silke auf unserem Social Enterprise Network schreibt. „Junge Mädchen müssen oft die Schule abbrechen, um ihre erkrankten Eltern zu pflegen oder sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern.“ Und weiter: „Im Siyaphambili Orphan Village werden täglich bis zu 100 Kinder medizinisch und psychologisch betreut – sie gewinnen dadurch ihre Würde und neue Hoffnung zurück.“

Sie richtete ein Spendenkonto ein und informierte in unserem internen Social Enterprise Network in deutscher und englischer Sprache über die Fortschritte des Projektes. Sie gewann auf diese Weise nicht nur viel Sichtbarkeit und Anteilnahme für ihr Vorhaben, auch die Zusammenarbeit innerhalb ihres Teams und mit den Kollegen in Südafrika veränderte sich: Es entstand nach und nach ein Klima der Gemeinsamkeit,  in dem Menschen fach- und länderübergreifend besser zusammenarbeiten konnten und mehr Arbeitsfreude und Zufriedenheit erlebten.

Am 27. März, kurz vor dem Wettkampftag, machte sich Silke dann in Begleitung ihrer Tochter auf die abenteuerliche Reise nach Langa, das älteste und größte Township in Cape Town, ins Siyaphambilie Orphan Village. Dort übergab sie nicht nur eine große Tasche mit Spielzeug, sondern auch 400 Dollar Spendengelder. Damit konnte im Kinderdorf eine Küche zur Versorgung der kleinen Bewohner und Besucher eingerichtet werden.

Nach ihrer erfolgreichen Teilnahme am Halbmarathon setzt Silke nicht nur ihre sportlichen Aktivitäten fort (sie hat angefangen, Mountainbike zu fahren). Auch ihre Charity-Aktion führt sie weiter. In Port Elizabeth ist ein zweites Kinderhaus geplant, für das derzeit noch etwa 10.000 Dollar Spendengelder benötigt werden.

Fazit:

Working Out Loud lebt nicht von der Theorie, sondern aus der Praxis heraus. Denn WOL ist nicht nur eine intelligente Methode, Ziele zu erreichen. Sie hilft uns auch dabei, das zu leben, was uns am Herzen liegt. Das WOL Element „Relationships“ lehrt uns, das agile Prinzip „crossfunktionale Zusammenarbeit“  zu leben. Indem wir Respekt vor der Meinung anderer haben, Besonderes bei unserem Gegenüber erkennen und Wertschätzung zeigen, entwickeln wir eine Haltung, die zu einem neuen Miteinander führt und einen Raum schafft, in dem sowohl jeder Einzelne, als auch das Team sein Potenzial besser entfalten kann – über alle Abteilungs-, ja Ländergrenzen hinweg. Silke hat erfahren: Wenn ich mich selbst verändere, meinen Horizont erweitere, dann kann ich etwas tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Ilona Libal ist Diplom-Informatikerin und IT-Projektleiterin bei einem Automobilkonzern. Wie Arbeit aussehen kann, die begeistert, Freude macht, vernetzt – dazu erzählt sie in diesem Blog Geschichten von tollen Menschen und Veränderungen. Sie möchte Wissenswertes verfügbar machen und Schwung in den Arbeitsalltag ihrer Leser bringen.