Geht es Ihnen auch manchmal so? Sie kommen von einem anstrengenden Tag nach Hause und sind einfach nur geschafft. Es gibt nichts Positives zu berichten, keine schönen Momente, der Tag erscheint Ihnen vertan. In diesem Blogbeitrag erzähle ich Ihnen, wie ich mit drei Bohnen lernte, die kleine Dinge des Lebens viel mehr zu schätzen.

Es war vor Jahren bei meiner ersten Fastenkur in einem kleinen, idyllischen Hotel im österreichischen Waldviertel http://www.klosterberg.at/.

Dritter Tag, müde, hungrig und morgenmufflig kam ich in den Frühstücksraum. Meine Fastenmitstreiter waren schon da, redeten angeregt mit einander und tranken ihren Tee. „Oh – bitte nicht so laut; lasst mich in Ruhe.“ dachte ich und setzte mich an einen leeren Tisch. Auf meinem Platz lag ein Blatt mit einer Geschichte, der Titel: „Die drei Bohnen frei nach Horst Conen“. Ich nahm einen Schluck von  meine Tee und fing an zu lesen.

Die Geschichte erzählte von einer erfolgreichen Münchner Unternehmerin Petra, die viel zu spät nach einem anstrengen Tag von München losfuhr um am nächsten Tag bei einem Kongress in Verona einen Vortrag zu halten. Um 21.00 Uhr, und noch 200 Kilometer von Verona entfernt, beschließt sie in einem kleinen Ort zu übernachten. Sie parkt ihr Auto vor dem einzigen Hotel am Markt und bleibt über Nacht.

Als sie am nächsten Morgen um 8:00 zu Ihrem Auto eilen will, stockt ihr das Blut vor Schreck: Der Markt ist voll von Buden und ihr Auto ist weg. Abgeschleppt. Sie stürmt zu einem Italiener, der gerade in ein Café gehen will und bittet ihm um Hilfe. Er schiebt sie in das Café. Sagt: „Kein Problem“, bittet sie um den Autoschlüssel und verschwindet. Sie sitzt in der Sonne an einem kleinen Tisch, ihr Kopf ist leer, weiß nicht was sie denken soll, der Vortrag ist gelaufen. Der Kellner bringt unaufgefordert einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Plötzlich fällt alles von ihr ab. Sie nimmt den Markttrubel in sich auf. Der hilfsbereite Einheimische, der ihr ihren Wagen zurückbringt, lacht und erzählt ihr die Geschichte vom italienischen Grafen Conte:

„Er verließ niemals sein Haus, ohne sich zuvor eine Hand voll Bohnen einzustecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Nein, er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen und um sie besser erzählen zu können.

Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte – zum Beispiel einen fröhlichen Plausch auf der Straße, das Lachen seiner Frau, ein köstliches Mahl, eine feine Zigarre, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weines -, für alles, was die Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Hosentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.

Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So führte er sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war und freute sich. Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, war der Tag gelungen – hatte es sich zu leben gelohnt.“

Petra saß noch immer auf der Terrasse des kleinen italienischen Cafés. Der Vortrag, er war ihr so wichtig. Sie konnte es nicht mehr schaffen. Sie rief an, entschuldigte sich und bat den Organisator, ihren Vortrag zu streichen. Nein, sie wird heute den Tag einfach mal genießen, morgen ist auch noch ein Tag. Und – die Bohnen zählen.

Ich blickte auf, meine Fastenmitstreiter machten sich für eine Wanderung fertig, eine ältere Dame lächelte mich an. Ich lächelte zurück.

Was für eine schöne Geschichte! Ich fühlte mich wach, zufrieden und glücklich. Ich bat in der Küche um drei Bohnen und steckte diese in die rechte Hosentasche. Immer wenn ich an dem Tag was Schönes erlebte, tat ich eine Bohne von der rechten in die linke Hosentasche. Und wirklich: Am Abend wusste ich noch genau, was mir bei jeder Bohne passiert war. Das ist zu einer festen Gewohnheit geworden.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Am Abend stelle ich meinem Mann gern die Frage nach seinen drei Bohnen. Und auch wenn er vorher absolut nichts Schönes berichten kann, wenn ich dann von meinen drei Bohnen erzähle, findet er auch immer eine kleine nette Geschichte zu berichten.

Vor kurzen rief mich eine spanische Kollegin an, der ich diese Geschichte auf einem gemeinsamen Kurs erzählt hatte. Sie berichtete mir begeistert, wie sie ihre schwierige berufliche Situation durch diesen Impuls entscheidend verbessert hat.

Ilona Libal ist Diplom-Informatikerin und IT-Projektleiterin bei einem Automobilkonzern. Wie Arbeit aussehen kann, die begeistert, Freude macht, vernetzt – dazu erzählt sie in diesem Blog Geschichten von tollen Menschen und Veränderungen. Sie möchte Wissenswertes verfügbar machen und Schwung in den Arbeitsalltag ihrer Leser bringen.

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